#jung

Tag 1

Über das Dreißig-werden

Ich hatte nie Angst vor dem Älterwerden. Im Gegenteil, ich umarmte jedes Alter und seine Vorteile. Als ich 16 wurde, konnte ich endlich offiziell rauchen. #jung Ja, so alt bin ich. Als ich 16 war, war die Abgabe von Tabakwaren an 16-jährige noch erlaubt. Und als ich 18 wurde, konnte ich endlich offiziell in meine Lieblingsclubs zum Tanzen gehen, ohne das

„Äh, öh, ich hab meinen Ausweis vergessen, höhöm, bitte?“

Mit 20 war es meinem Vater auch schon egal, mit wem ich wie lang und an welchem Ort rumhing. Mit 23 bemerkte ich, dass ich nicht mehr 18 war. Ich hatte es bemerkt, nicht bedauert. Je älter ich wurde, desto schöner fand ich mein Leben: Ich wurde immer unabhängiger und selbstständiger, lebte mein Leben, wie ich es wollte. Ich gewöhnte mir sogar ab, meine Mutter anzurufen, um mir von ihr vorschreiben zu lassen, was ich mir leisten konnte. Ich weiß jetzt was ich mir nicht leisten kann.

Das bin ich auf unserem Abiball 2004. Wir kamen gerade von unserer Abifahrt und waren alle braun gebrannt. Auf diesem Bild bin ich 19 Jahre alt. #jung

Tag 9

Backstreets Back … alright!

In den Neunzigern war ich natürlich ein riesiger Backstreet Boys Fan. Für Take That war ich noch zu jung. Sie lösten sich auf, als ich in noch in der Grundschule und von Schwärmereien weit entfernt war. #jung Die Spice Girls hatten es mir ebenso wenig angetan. Und als *N Sync auf der Bildfläche erschienen, war ich schon längst beim Punk Rock angekommen. Die Backstreet Boys hatten es mir jedoch angetan. Meine Liebe währte zweieinhalb Alben lang.

Das erste Album „Backstreet Boys“ ist immer noch eines meiner liebsten Alben zum In-der-Küche-hören und Kochen. Dabei lässt es sich super abtanzen und mitsingen. Mit Felix, meinem zweiten Mitbewohner, hörten wir das Album rauf und runter. Unsere Mitbewohnerin Alex wunderte sich beim Einzug über die CD und beichtete dann, dass sie der Band als Autogrammjägerin vor Hotels auflauerte, um einen Blick auf die Jungs zu erhaschen. Wir hingen den ganzen Abend ihres Einzuges über dem Ordner und bewunderten ihr Durchhaltevermögen, haben wir doch nie die Lust verspürt so lange in irgendwelchen Schlagen zu warten. Ich sah die Backstreet Boys das erste Mal 1997 kurz vor meinem Schulwechsel ans Gymnasium. In meiner Klasse waren wir alle Backstreet Boys Fans. Stefan hatte sogar den gleichen Haarschnitt wie Nick Carter, einen Blonden Topfschnitt. Der war in den Neunzigern sehr angesagt und wird hoffentlich nie, nie „wiederkommen“. Wir wollten alle zu dem Konzert in die Deutschland Halle. Soweit ich mich erinnern kann, durfte ich nur mit meiner Mutter hin gehen und musste auch noch ihre Karte bezahlen. 56 DM hat mich das damals gekostet. Meine Erinnerungen sind wage, aber ich glaube, dass Lisa unten stehen wollte und deswegen mit anderen schon nach der Schule in der Schlange anstand. Dazu konnte ich meine Mutter natürlich nicht überreden und so waren wir pünktlich um 18 Uhr da und mussten dann im oberen Rang stehen. Das war sehr weit weg. Sehr weit. Rob Green von Energy – damals ebenfalls in Star in unseren Augen – heizte die Menge an. Von oben konnte ich beobachten, wie Mädchen aus der ersten Reihe gezogen wurden, ohnmächtig, ohne die Band gesehen zu haben. „Wollt ihr die Backstreet Boys?“ rief er ins Mirko. Ein Ohrenbetäubendes Kreischen aus der Menge – das sollte „Ja, mein Gott!“ heißen. Rob kündigte Aaron Carter an, den Bruder von Nick, der zu dem Zeitpunkt zwei Jahre jünger war als ich. Dieser wollte ebenfalls eine Karriere als Musiker starten, hat den Durchbruch meines Erachtens nie geschafft. Aber alles war lästig, wir wollten die Backstreet Boys. Jetzt.

Tag 106

Everybody is just so rude

Das muss man schon machen, finde ich. Egal wo ich bin: Ich besorge mir eine Sim-Karte. Telefonieren ist ohnehin viel zu teuer#jung und überall auf der Welt – zumindest wo ich bis jetzt war – gibt es mobiles Internet zum Pauschalpreis. Und da Rebecca etwas jünger ist als ich , spielen soziale Netzwerke eine noch größere Rolle als bei mir. Und ich bin schon sehr mitteilsam.