Besonders gefreut habe ich mich über den tollen Service des Hauses O2 Arena. Hier darf ich meine Toilettenbrille selbst abwischen. Danke. #wirklichalt
Gregor und ich bei den Backstreet Boys. Für das 90ies-feeling habe ich mir extra einen Mittelscheitel gemacht. #party

Tag 9

Backstreets Back … alright!

Zum Geburtstag schenkte Gregor mir zwei Karten für die Backstreet Boys statt einer Ukulele. Die hatte ich mir gewünscht. Eine gute kostet ungefähr genau so viel wie beide Tickets. Nichtsdestotrotz freute ich mich natürlich riiiiieeeeesig über die Tickets.

In den Neunzigern war ich natürlich ein riesiger Backstreet Boys Fan. Für Take That war ich noch zu jung. Sie lösten sich auf, als ich in noch in der Grundschule und von Schwärmereien weit entfernt war. #jung Die Spice Girls hatten es mir ebenso wenig angetan. Und als *N Sync auf der Bildfläche erschienen, war ich schon längst beim Punk Rock angekommen. Die Backstreet Boys hatten es mir jedoch angetan. Meine Liebe währte zweieinhalb Alben lang.

Das erste Album „Backstreet Boys“ ist immer noch eines meiner liebsten Alben zum In-der-Küche-hören und Kochen. Dabei lässt es sich super abtanzen und mitsingen. Mit Felix, meinem zweiten Mitbewohner, hörten wir das Album rauf und runter. Unsere Mitbewohnerin Alex wunderte sich beim Einzug über die CD und beichtete dann, dass sie der Band als Autogrammjägerin vor Hotels auflauerte, um einen Blick auf die Jungs zu erhaschen. Wir hingen den ganzen Abend ihres Einzuges über dem Ordner und bewunderten ihr Durchhaltevermögen, haben wir doch nie die Lust verspürt so lange in irgendwelchen Schlagen zu warten. Ich sah die Backstreet Boys das erste Mal 1997 kurz vor meinem Schulwechsel ans Gymnasium. In meiner Klasse waren wir alle Backstreet Boys Fans. Stefan hatte sogar den gleichen Haarschnitt wie Nick Carter, einen Blonden Topfschnitt. Der war in den Neunzigern sehr angesagt und wird hoffentlich nie, nie „wiederkommen“. Wir wollten alle zu dem Konzert in die Deutschland Halle. Soweit ich mich erinnern kann, durfte ich nur mit meiner Mutter hin gehen und musste auch noch ihre Karte bezahlen. 56 DM hat mich das damals gekostet. Meine Erinnerungen sind wage, aber ich glaube, dass Lisa unten stehen wollte und deswegen mit anderen schon nach der Schule in der Schlange anstand. Dazu konnte ich meine Mutter natürlich nicht überreden und so waren wir pünktlich um 18 Uhr da und mussten dann im oberen Rang stehen. Das war sehr weit weg. Sehr weit. Rob Green von Energy – damals ebenfalls in Star in unseren Augen – heizte die Menge an. Von oben konnte ich beobachten, wie Mädchen aus der ersten Reihe gezogen wurden, ohnmächtig, ohne die Band gesehen zu haben. „Wollt ihr die Backstreet Boys?“ rief er ins Mirko. Ein Ohrenbetäubendes Kreischen aus der Menge – das sollte „Ja, mein Gott!“ heißen. Rob kündigte Aaron Carter an, den Bruder von Nick, der zu dem Zeitpunkt zwei Jahre jünger war als ich. Dieser wollte ebenfalls eine Karriere als Musiker starten, hat den Durchbruch meines Erachtens nie geschafft. Aber alles war lästig, wir wollten die Backstreet Boys. Jetzt.

Gestern war das natürlich ganz anders. Wir kamen um 20 ihr in die O2 World. Dort spielte die Vorband The Exchange, die das Publikum mit abfeierte. Nicht wie früher, als die Backstreet Boys Fans in der BRAVO über die Vorbands lästerten. Wie erwartet war das Publikum in meinem Alter, teils etwas älter, teils etwas jünger. Und wider erwarten war die Arena ziemlich ausverkauft.#wirklichalt Wir hatten super Plätze. Die Vorband war klasse. Dann eine kurze Pause mit Einspielern über BSB, die sich als Werbung für einen Backstreet Boys Film entpuppte. Schaue ich mir auf jeden Fall an.

Dann wurde es dunkel. Alle standen auf. Das Licht ging an. Nach dem ersten Ton wussten alle, es handelt sich um „The Call“, der ersten Single vom 2000er Album „Black and Blue“. Die Menge tobte. Frauen um die Dreisig kreischten. Gregor hielt sich die Ohren zu. Ich kreischte. Ein Glücksgefühl durchfuhr meinen ganzen Körper. Meine Sorge, die Backstreet Boys würden Songs ihrer unbedeutenderen neueren Alben spielen, verflog rasch. Ich war wieder Teenie. Ich erzählte Gregor wichtige Fakten, kreischte, grölte mit, freute mich. #liveDas Allertollste war: Sie sangen live und tanzten die Choreografien von früher. Natürlich haben sich die Jungs verändert. Sie sind jetzt Männer. Kevin wirkt sehr zerbrechlich, während Nick ein kleines Wohlstandsbäuchlein und -kinn zeigen konnte. Brian und Howie sahen aus wie immer. Ausser das sich bei Brian, wenn er sich umdrehte, eine kleine haarlose Insel auf dem Hinterkopf zeigte. AJ wie immer dem Trend voraus mit Guy-Nagellack, Guy-Liner und Zwirbelschnautzer-Vollbart-Kombination. Jeder der Jungs trat einzeln vor das Publikum und machte Ansagen. Das war sehr schön. Wie früher versuchten sie mit den drei Wörtern, die jeder Amerikaner kann „Ich liebe dich“ das deutsche Publikum zu verzaubern. Wie immer klappte es. Kreischen.