Love me Tinder, love me sweet! #party

Tag 82

Hot? Or not?

Davids Kumpel aus Hamburg erzählte uns jüngst von Tinder. Was das ist? Tinder ist ist eine Dating-App, die mit Facebook verknüpft ist. Das Prinzip ist einfach. Es werden Menschen, die Tinder auf dem Telefon installiert haben, in deiner Umgebung gesucht und das erste Bild des Profils auf deinem Bildschirm angezeigt. Der Rest soll ganz wie im echten Leben sein. Man entscheidet angeblich innerhalb von Sekunden über die Attraktivität des Gegenüber. Auch hier entscheidet man innerhalb von Sekunden. Hot or not? Mit der Smartphone typischen Bewegung des Daumens kann man entscheiden, ob man jemanden attraktiv findet oder nicht. Nach links swipen heißt, dass man jemanden nicht toll findet und der ist dann weg. Swiped man das Bild des Menschen nach rechts bedeutet das, dass man den jehnigen attraktiv findet. Finden zwei Menschen sich hot, werden sie „gemachted“, zusammen gebracht, und können mit einander chatten.

So browsen täglich mehrere tausend Menschen durch Tinder nach … ja, nach was eigentlich? Laut wikipedia wird Tinder zum Flirten und zum neuen knüpfen von Freundschaften gebraucht. Seit zwei Monaten swipe ich mich durch die berliner Tinder Parallelgesellschaft. Und ich chatte auch. Über ein „Hi“ geht es meistens nicht hinaus. Natürlich gibts auch die, die heute noch schnell vögeln wollen. Diese Exemplare sind mir – wie im echten Leben – eher selten untergekommen. Freundschaften kann man glaube ich eher nicht knüpfen, musste ich doch im echten Leben lernen, dass es schwierig ist zwischen Frau und Mann befreundet zu sein.

In meinen Augen hat Tinder eine ganz andere psychologische Funktion. Tinder hat mir gezeigt, was für Männer auf mein Äußeres stehen. Bzw. hat es mir gezeigt, dass die Männer auf die ich stehe, auch auf mich stehen. Was für ein Egoboost! Und wie in der echten Welt traut Mann sich auch in der virtuellen Welt nicht Frau anzusprechen oder wird schnell wortkarg.

Ich hatte sogar drei Tinder-Dates. Natürlich mit Hintergedanken. Keine Sorge, alles abgesprochen. Das erste Date war zum Frühstück. Frühstücksboy sah seinen Bildern recht ähnlich. Ich bilde mich bei Tinder ohne Brille ab, finde mich sonst aber recht realitätsnah. Es war nett. Mehr nicht. Wir haben nie wieder mit einander geredet.

Das zweite Date hatte ich in einer Cocktailbar. Cocktailboy sah aus wie auf seinen Bildern, aber wirkte nicht so selbstsicher wie auf seinen Abbildungen. Im ersten Moment wusste ich, dass der Abend eine Quälerei wird. Ich war irgendwie erleichtert als es vorbei war. Cocktailboy war wirklich nett, aber eben nicht mein Typ. Auch nicht auf freundschaftlicher Basis. #party Und gerade komme ich von meinem dritten und erfreulichsten Date. Fotografskaterboy hat ebenfalls eine Freundin und tindert um des Flirtens und des Leute-kennenlernen willens. Wie ich. Wir trafen uns für 2 Stunden im Park. Es war sehr nett. Und ich glaube, dass man sich öfter treffen wird.

Trotzdem finde ich den virtuellen Raum zum Kennenlernen suboptimal. Ich chatte schon seit ich 14 Jahre alt bin mit Fremden (eher sporadisch) und ich kann mich an keine Bekanntschaft erinnern, die länger als ein paar Wochen hielt. Man hat eben nichts weiter gemeinsam als die Liebe zum Internet.